Märchensommer-Märchenralley: Tischlein deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack

Willkommen zu meiner Station der großen Märchensommer-Märchenralley!
Ob Ihr hier wohl auf der richtigen Fährte seid?

Keines der bekannteren Grimmschen Märchen trägt meinen Buchstaben am Anfang, aber wohl einige der Figuren im Namen: Dornröschen, König Drosselbart, Frau Holle…
Das O ist der Buchstabe, der Euch weiterführt.

Die meisten von uns sind mit Märchen aufgewachsen, mit den Figuren, den sprichwörtlich gewordenen Verslein, den klar besetzten Bildern des großen, dunklen Walds und der schönen Jungfrau. Aber was wären Märchen ohne Erzähler?
Ich meine damit nicht den literarischen Begriff einer erzählenden Instanz, sondern den echten, leibhaftigen Märchenerzähler, die Person, die uns die alten Geschichten mit auf den Weg gibt.
Diejenige Person, die die alte Tradition der mündlichen Überlieferung am Leben hält.

Kaum jemand, den ich kenne, kann Märchen so gut erzählen wie mein Großvater.
Es hatte etwas Magisches, wenn er die alten Geschichten wieder und wieder vor unseren Kinderaugen entsponn. Vielleicht liegt es daran, dass er noch echte Märchenerzähler kennenlernte, als er in den 1930ern in einem kleinen Dorf mitten im Harz aufwuchs. Männer und gelegentlich Frauen, die mit der Weitergabe und dem Spinnen von Geschichten ihren Unterhalt verdienten. Ich glaube, mein Großvater hat von ihnen gelernt, oder vielleicht ist er einfach von Natur aus ein grandioser Geschichtenerzähler.
Noch heute kann ich die folgenden Worte nicht lesen, ohne seine Stimme im Kopf zu haben:

„Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje inne See,
mine Frouw, die Ilsebill,
will nit so, wie ick woll will.“

Es gibt unzählige Versionen dieser Zeilen, jeder spricht sie ein wenig anders aus, je nachdem, woher er oder sie kommt, aber am Ende bleibt das Märchen vom Fischer und seiner Frau unveränderlich. Genau wie Hänsel und Gretels Geschichte („Der Wind, der Wind, das himmlische Kind!“), oder das Märchen vom tapferen Schneiderlein („Sieben auf einen Streich!“). Oder das vom Hasen und dem Igel („Ick bin all doa!“), das im letzten Jahr meine Station des Märchensommers war.

Dieses Jahr habe ich wieder Tiere auf meinem Blog zu Besuch, angefangen mit einer undankbaren Ziege:

„Wovon soll ich satt sein?
Ich sprang nur über Gräbelein
und fand kein einzig Blättelein: Meh! Meh!“

Doch das ist erst der Anfang der Geschichte. Der Schneider schickt seine drei Söhne aufgrund der hinterlistigen Ziege fort, damit sie in der Welt ihr Glück machen, und es braucht ein wenig, bis alle (abgesehen von der Ziege) ein glückliches Ende finden.
Die Rede ist natürlich vom Märchen „Tischlein deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack“. Wie so viele Märchen gibt es auch in diesem unveränderliche Verse und ein paar Zauberworte, um die fabelhaften Besitztümern der drei Schneidersöhne in echte Zauberdinge zu verwandeln.

Nun ist die Frage:
Wie heißt das Zauberwort, das den Goldesel zum Goldspeien animiert?

Brickelbrit (Ela Schnittke – https://blendeundbuch.wordpress.com/2018/06/12/250)

Bricklebrit (Mel Amanyar – https://www.facebook.com/DrachengeschichtenNordlichter/photos/p.1774984742577049/1774984742577049/?type=3)

Brickelbit (Tina Skupin – https://tinaskupin.de/maerchenrallye-runde-2/)

Ihr kennt die Antwort? Dann nichts wie los?
Ihr seid Euch nicht sicher? Ratet wild, und wenn Ihr Euch verfranst, kommt Ihr hierher zurück und versucht es noch einmal.

Dies ist eine Station der Märchensommer-Märchenrallye von PoiSonPaiNter – den Anfang dieser Runde findet ihr hier. Viel Glück!

Mein Märchen ist aus, dort läuft eine Maus, wer sie fängt, darf sich eine große, große Pelzkappe daraus machen.

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Wächter der Welten (50)

50

Lia blinzelte überrascht und schaute zu Kalem hinüber. Der starrte den Neuankömmling an, Unverständnis auf dem Gesicht. Das Wesen seufzte und ruckte den Kopf in ihre Richtung.
„Ergreift sie.“ Seine Begleiter setzten sich in Bewegung.
Sofort veränderte sich Kalems Körperhaltung und er ging in Verteidigungshaltung.
Lia runzelte die Stirn. Sie wollte gerne eine Konfrontation vermeiden, denn bei aller Spannung, die in der Luft lag, spürte sie keine Bosheit von den Wesen ausgehen.
Deswegen steckte sie ihre Messer weg und ging an Kalem vorbei.
Kalem knurrte verärgert, doch Lia warf ihm nur einen halb irritierten, halb amüsierten Blick zu. Er knurrte sie an? Wirklich? Wie ein Hund? Hatte es ihm die Sprache verschlagen? Sie schnaubte amüsiert und blieb einen Schritt vor ihm stehen. Weiterlesen

Wächter der Welten (49)

49

Das Portal spuckte sie Sekunden später wieder aus, und Lia hatte noch genügend Zeit, um einen Streifen hellen Blaus und tiefe Schatten wahrzunehmen, ehe sie kopfüber im Wasser landete. Sofort setzten ihre Überlebensinstinkte ein und sie machte einige kräftige Schwimmzüge, um zurück an die Wasseroberfläche zu kommen.
Sie blickte sich nach Kalem um, der prustend und strampelnd neben ihr an die Oberfläche kam. Sie sah die Panik in seinem Blick, ehe er wieder untertauchte, und verstand im selben Augenblick, dass er nicht schwimmen konnte. Sie biss einen Fluch zurück und war so schnell es ging an seiner Seite. Weiterlesen

Wächter der Welten (48)

48

Lia starrte auf die Wand vor ihnen und versuchte zu verstehen, was sie dort sah.
Kalem hatte sie ein zweites Mal durch die Barriere geführt, und der Gestank war fast noch schlimmer als beim ersten Mal.
Sie hatte gedacht, dass sie ihn besser aushielt, jetzt wo sie sich ein weiteres Mal mit Jeihtas Magie verbunden hatte, aber das Gegenteil war der Fall. Der ätzende Geruch war so stark, dass sie ihn auf der Haut zu spüren meinte, als ob er durch die Poren in sie eindringen könnte.
Der Gedanke verursachte ihr Gänsehaut vor Ekel.
Die Magievergiftung setzte dem Areal zu, Lia sah die dunklen und glänzend roten Schleier am Rande ihres Blickfelds, die ihr zeigten, dass die Vergiftung weiter fortschritt. Noch hielten sich die Schatten am Rande ihrer Wahrnehmung, doch es würde an diesem Ort nicht mehr lange dauern, ehe sie die Substanz der Welt mit Schattenfingern durchdrangen und sie in ein Zwielichtareal verwandeln, und dann würde es eine elende Plackerei werden, das Gebiet zu säubern.
Wer immer die Barriere errichtet hatte, musste dies gewusst haben. Weiterlesen

Poetry: Waiting for

Waiting for

 

When March comes,
she starts wandering the streets.
Her steps are reluctant,
her eyes pinned to the ground,
searching and eager.

She seeks the cracks in the pavement,
dirt-rubbed scars in the asphalt.
There are more now than there were
before the cold came.
Winter left his marks
for the ones following him to see.

She does not mind scars.
She does not mind the cold.
She wears them with pride.
But now she feels
it is time for change.

It is still early, the sun has not yet
the strength it needs,
and still she searches, yearning,
under a pale disc in a pale sky.
In vain, but she cannot help herself.

She knows, she will not find what she is looking for
on the grey harshness of the city streets,
before the first travellers from the South
return home, their songs
painting new colours to the warming breeze.

Only now she will find
what she has been searching
for weeks, or maybe her whole life,
she isn’t sure.

Change comes quietly.

It is on an April’s Day that her searching eyes
finally find
in the dirty cracks of a sunny spot
the yellow splotch
of the year’s first dandelion.

She smiles,
inhales,
and goes about her day.

Wächter der Welten (47)

47

Die Antwort ihrer Großmutter erreichte Lia in unerwarteter Form.
Sie verließen gerade die Treppe, die vom südlichen Glockenturm der Teynkirche hinabführte, als ein kleines graues Wesen auf sie zu huschte.
Lia blieb so abrupt stehen, dass Kalem beinahe in sie hineinrannte. Er warf ihr einen irritierten Blick zu, doch Lia ignorierte ihn und ließ sich auf die Fersen sinken.
Das Geisterwiesel kletterte in Windeseile ihren Arm hinauf und ließ sich auf ihrer Schulter nieder. Seine kleinen Krallen kratzten über ihre Haut. Es hatte kein reales Gewicht, doch Lia spürte die Macht seines Zaubers gegen ihre Magie. Weiterlesen

Poetry: In memory of a childhood home

In memory of a childhood home

 

A poetic response to
Einojuhani Rautavaara – «Cantus arcticus», Op. 61: Concerto for Birds and Orchestra

 

 

I. The Bog

 

The swimming moose rises like a phantom
from the depths of my mind,
her unfazed gaze pinning me down
as she crosses the lake from shore to shore.
From our canoe, we watch the moose emerge
between water lilies and frogspawn,
cantering away unhurriedly through the afternoon forest.
The hoarse cries of cranes from a nearby field
carry over the water and the reed.
I am glad for the mosquito repellent.

Behind our island, the great lake gives way
to stretches of waving reed grass,
so high you never see
what lies beyond the bend.
The waterways winding through the reed fields
are quiet and still, the plunge
of our paddles the only sound.
The heron perching in the alders to the right
rises with a cry that makes me wince guiltily.
We have disturbed its peace.
There is movement to our left,
a plop and a rustle,
Maybe an otter, my father says,
and I peer so eagerly into the green-yellow wall
that he starts to laugh, the sound
breaking the silence.
I have never seen an otter in the wild.

In the evening, we roast fish over the fire,
and the lights of the houses on the shore
are as far away as the stars overhead.
My parents tell stories about the time
when they first came to our island,
with my grand-parents, how they opened the door
of this house for their friends, too
– just like today, you had to use your horn
when you arrived on the shore,
so someone would row over and pick you up.
They laugh at the way people cringed
at the prospect of using the outhouse,
which someone named Villa Lakeview,
and the reality of no running water.
We laugh, too, there is still no running water,
and still an outhouse with the sign
Villa Lakeview by the door, and what’s not to love
about that? A screech owl calls in the dark,
making our dog jump. We laugh some more.
The wood smoke makes our eyes burn;
it doesn’t keep away the mosquitoes.

 

 

II. Melancholy

 

There is a sadness to the cries
of the bittern in the reed beds, my mother says.
Their sound is eerie and haunting,
and I imagine it to carry over the dawn waters
for days and days, until the lakes end,
and from there into the next world,
the one beyond this one, or beside it,
I’m really not sure. It is present here,
in the tall-grown firs and the lichen-covered stones
that hold the trolls’ memories of wars passed,
in the giant moss cushions near the shores,
tiny fairy cities, if you look close enough.

I still feel the world beyond when I roam the island
for the last time. I visit the rock plateau on the far end
and the ten-feet anthill that was already there
when my parents first came here.
I visit the place in the middle of the island,
where the woodland spring used to be,
buried now after last winter’s storms.
Has the näcken found a new home?

Slowly I make my way back through the forest’s remnants,
splintered tree trunks and wild raspberries all
that remain of its former glory.
I find deer droppings in the tracks of the logging trucks
and birch shoots in the undergrowth.
The pink flowers of willowherbs are swaying in the breeze.
How long before the elves will dance again?
A pair of buzzards circle over the clearing,
their cries piercing the hazy afternoon.
I have learned to imitate the bittern’s call,
I can take this place with me.

 

 

III. Swans Migrating

 

When we open the car doors,
the air smells of diesel and tar,
and of salt and seaweed.
It embraces me like a dearly missed friend.
Home is a strange feeling.
You are not allowed to stay in your vehicle
during the crossing, but we don’t want to, anyway.
We want to see the glittering waves and the wind parks,
looking from one shore to the next,
as we cross from one home to the other.

There are seagulls sailing overhead,
white feathered and black-banded.
The younglings are grey and brown,
and even though they fly as well as their parents do,
they still beg for food with screeching cries.
The adults are quiet, sailing beside the dark blue chimneys.
Sometimes they will dive in front of the ferry,
using a current to arc up again on the other side.
Do they care which side of the ocean they are on?
I ask my mother. Maybe, she says, but I think
they make their home wherever there is food and shelter.

I look down to the white specks of gulls swaying on the waves.
It must be nice, I say, this kind of freedom.
Going with the waves. A life without borders,
without nations. Staying wherever the wind carries you.
Yes, my mother says.
Behind us, my father cracks a bad joke
and my brother laughs at my sister’s retort.
One of the gulls sweeps past us
into the clear blue of the summer sky.
It hovers overhead, just out of reach.
Its eyes are black and its beak is yellow,
with a red tip. The white feathers are so bright
that it hurts to look at them.
The chimneys cough a cloud of billowed smoke.
Lazily, I drift towards the shore.

Wächter der Welten (46)

46

Je näher sie der Teynkirche kamen, desto unbehaglicher fühlte sich Lia. Ein kleiner, fester Knoten hatte sich in ihrem Bauch gebildet und schien anzuschwellen, je weiter sie sich durch die Touristenmassen schob. Schließlich blieb sie stehen, um eine Gruppe asiatisch aussehender Touristen vorbeizulassen, die mit dicken Fotoapparaten, Sonnenbrillen und Sonnenhüten bewaffnet brav hinter ihrer Stadtführerin hertrotteten. Kalem sah sie an.
„Was ist los?“
„Ich habe ein ganz mieses Gefühl bei dieser Sache.“
„Einfach so? Oder spürst du etwas?“
Lia schloss die Augen, doch um sie herum herrschte zu viel Lärm, zu viel Bewegung, als dass sie sich konzentrieren konnte.
„Zu voll“, murmelte sie und sah Kalem an. „Kannst du etwas spüren?“ Kalem schüttelte den Kopf.
„Ich weiß nicht, wonach ich suche, und ich weiß nicht, wie sich die Magie von Jeihta anfühlen muss.“ Er verzog das Gesicht. „Außerdem ist meine Magie ein einziges Chaos, seit wir hierhergekommen sind“, gab er zu. Lia nickte.
„Dann haben wir keine andere Wahl, als weiterzugehen“, sagte sie. Weiterlesen

Wächter der Welten (45)

45

Der Regen hielt nicht lange an.
Zu dem Zeitpunkt, an dem sie die Karlsbrücke erreicht hatten, hatte es schon wieder aufgehört. Scharen von Touristen zogen mit ihnen zusammen über die steinerne Brücke über der Moldau, doch Lia bahnte sich zielstrebig ihren Weg durch sie hindurch.
Sie vertraute darauf, dass Kalem ihr folgte, sie hatte keine Zeit, sich um ihn Sorgen zu machen. Sie wollte zurück nach Staré Město und zur Teynkirche, wo sie letztes Mal dem Engelmonster entkommen war. Vielleicht fanden sich dort noch Spuren von alter Magie, die sie und Kalem zurückverfolgen konnten. Sie mussten irgendwie das Monster ausfindig machen und sein Versteck aufspüren, bevor es sie fand.
Lia war sich darüber bewusst, dass sie und Kalem wie magische Leuchtfeuer in einer Welt wie Jeihta waren, und keine Masse an Touristen in den Straßen von Prag konnte sie vor solchen verbergen, die auf der Suche nach einer mächtigen Magiequelle waren.
Wenn Cowell die Wahrheit gesagt hatte, dann gab es mehr als ein Engelmonster, und Lia war nicht scharf darauf, Bekanntschaft mit ihnen zu schließen. Weiterlesen

Wächter der Welten (44)

44

Jeihtas Prag empfing sie mit Regen.
Lia fühlte sich jäh an Claris erinnert und sie zog eine Grimasse. War sie wirklich erst vor fünf Tagen hier gewesen? Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an, zu viel war seitdem passiert. Sie warf einen Blick auf Kalem, der hinter ihr aus dem Portal trat. Wann war sie in Tekkalon gewesen, um ihn zu treffen? Vor vier Tagen? Sie schüttelte den Kopf. Unmöglich. Es musste ein halbes Leben her sein. Kalem sah ihr Kopfschütteln und zog die Augenbrauen hoch.
„Habe ich was im Gesicht?“, fragte er mit einem Hauch Belustigung in der Stimme. Lia grinste.
„Keine Sorge, dein hübsches Gesicht wird nur von deinem respektlosen Mund entstellt.“
„Das sagt die Richtige!“
Lias Grinsen wurde breiter, und sie drehte sich vollständig zum Portal um, um es zu schließen. Weiterlesen